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(c)Stadtbücherei Lauf

Schreiben über Literatur: Jugendliche rezensieren die Abendlesungen der 24. Literatur Tage Lauf 2019

Vea Kaiser als Auftakt der Laufer Literaturtage

Als ihr Bruder 1997 die Treppe hinunterfiel und ins Krankenhaus musste, erzählte die achtjährige Vea Kaiser ihm auf der Autofahrt dorthin eine Geschichte. Er beruhigte sich augenblicklich und wollte nach der ärztlichen Behandlung unbedingt das Ende der Geschichte erfahren.

Die nun erwachsene Autorin Vea Kaiser leitete mit dieser Erzählung am 04.11.19 im Rahmen der 24. Laufer Literaturtage ihre Lesung ein, bei der rund 450 Zuhörer dem Auftakt des Festivals beiwohnten.

Die in St.Pölten geborene Österreicherin Vea Kaiser studierte Germanistik, Latein und Altgriechisch an der Universität Wien. Im Alter von nur 30 Jahren hat sie bereits zahllose Kolumnen, insbesondere für den österreichischen „Kurier“, ein Theaterstück sowie die drei Romane „Blasmusikpop“, „Makarionissi“ und „Rückwärtswalzer“ veröffentlicht; letzteren stellte sie an dem Abend vor.

„Rückwärtswalzer oder die Manen der Familie Prischinger“ trägt diesen Titel, da die Handlung in einem ¾ Takt zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart „hin und her walzt“. Beschrieben wird eine Familiengeschichte vom Jahr 1955 bis hin zur Gegenwart, in der der verstorbene Onkel Willi in sein Geburtsland Montenegro überführt und dort bestatten werden soll – das dafür gedachte gesparte Geld ist jedoch inzwischen in den veganen Online-Shop seiner Tochter investiert worden.

Vea Kaiser führte durch ihre ausgeprägte Fabulierkunst und ihrer Aufgewecktheit äußerst anschaulich, mitreißend und souverän durch den Abend, indem sie ihre eigene Lebensgeschichte, den Inhalt ihres Romans und Lesestücke geschickt miteinander verknüpfte. Dies wies eine große Nähe zum Kabarett auf, und Anekdoten sorgte für viel Lachen im Publikum. Die Lesung begann mit einem Einstieg in Form einer Schilderung des von Russen nach dem zweiten Weltkrieg besetzten Österreichs. Anschließend führte die Autorin chronologisch in das Geschehen des Romans ein. En passant wies sie auch auf den „Schriftstellerfluch“ hin, welcher besagt, dass das, was man als Schriftsteller schreibt, später auch im realen Leben eintreten wird.

Abschließend ging sie noch auf Publikumsfragen ein, wodurch das Publikum auch von ihrer Faszination für Parasitologie, ihrem Schreibverhalten, einer kommenden Verfilmung und einer Opernversion von „Blasmusikpop“ erfuhr. Im Anschluss signierte Vea Kaiser noch zahlreiche Ausgaben ihrer Romane.

(Artikel von Julia Segerer, CJT-Gymnasium)

 

„Erzähl weiter, Papi“
Barbara Honigmann liest aus ihrem Roman „Georg“ – ein Portrait ihres Vaters

„Heirate oder heirate nie, du wirst beides bereuen.“ Diese Worte beschreiben scheinbar perfekt den Mann, den Barbara Honigmann in ihrem zuletzt veröffentlichten Roman „Georg“ porträtiert. Beinahe amüsiert erzählt die Schriftstellerin und zugleich Tochter des Titelhelden: „Mein Vater heiratete immer dreißigjährige Frauen. Er wurde älter, aber seine Frauen blieben immer um die dreißig. […] Sie hießen Ruth, Litzy, das war meine Mutter, Gisela und Liselotte.“ Gleich vier Mal schloss Georg den Bund der Ehe, darunter mit Litzy (Alice Kohlmann), die vorher mit dem Doppelagenten Kim Philby liiert war, und der nicht nur in der DDR bekannten Brecht-Interpretin Gisela May.

Liebevoll und mit ein wenig Sehnsucht widmet sich die in Ostberlin geborene Malerin, Essayistin und Autorin der interessanten Vergangenheit ihres Vaters. Von der Odenwaldschule über seinen Aufenthalt als Journalist in London, bis hin zu seinem möblierten Zimmer am Rande Berlins schildert Barbara Honigmann nicht nur die Geschichte eines klugen, charmanten – und doch traurigen – Mannes, sondern auch jüdisch-deutsche Vor- und DDR-Nachkriegsgeschichte.

Mit ihrer lebhaften, aber auch ein kleines bisschen ironischen Erzählweise, die für einige Lacher im Publikum sorgte, unterhielt sie die zahlreichen Zuhörer. Über 300 Besucher fanden sich am Dienstagabend zur Lesung in der Turnhalle des Christoph-Jacob-Treu-Gymnasiums ein und lauschten aufmerksam den vorgelesenen Erinnerungen an ihren Vater.

Im Anschluss an die Lesung stellte sich die Autorin neugierigen Fragen aus dem Publikum, wie beispielsweise der nach einer glücklichen Kindheit. Diese beantwortete sie mit: „Ich hatte mit Sicherheit keine unglückliche Kindheit. Aber eben auch keine ‚0815-Kindheit‘. […] Da musste ich Schriftstellerin werden.“ Aber auch nach Barbara Honigmanns gemalten Bildern, die auf vielen ihrer Bücher auf dem Cover abgedruckt sind, wurde sich erkundigt. Hinterher signierte sie dann noch fleißig ihre Bücher.

(Artikel von Julia Hartmann und Anke Schneider, CJT-Gymnasium)

 

Ein berührendes „Gedächtnis des Herzens“
Jan-Philipp Sendker zu Gast bei den Laufer Literaturtagen

Von der sympathischen Ruhe und Gelassenheit, mit der Jan-Philipp Sendker die Bühne betritt, könnten sich selbst renommierte Autoren zuweilen inspirieren lassen …

Der 1960 geborene Hamburger las am Abend des 6.11.19 in der Halle des CJT-Gymnasiums nicht nur aus seinem neuesten Roman ,,Das Gedächtnis des Herzens“ vor, sondern erzählte auch ausgiebig von seinen zahlreichen Reisen nach Burma (Myanmar), in das Land, aus dem er die Inspiration für seine Bücher schöpft. Denn auch der dritte Teil seiner ,,Herzens-Trilogie“ spielt in dem fernen asiatischen Land, in das Sendker schon 1995, damals noch als Journalist, reiste.

In ,,Das Gedächtnis des Herzens“ erzählt er die Geschichte des jungen Burmesen Bo Bo, der bei seinem Onkel lebt und sich mithilfe seiner Fähigkeit, die Gefühle anderer Menschen zu lesen, auf die Suche nach seinen Eltern macht. Durch einen wunderbaren Schreibstil und eine Detailliebe, welche von seinen persönlichen Erfahrungen in Burma zeugt, gelingt es Sendker, den Leser auf eine intensive, romantische und rührende Reise zu entführen.

Doch die Lesung, die zahlreiche Besucher in die Halle des CJTs zog, bestand nur zu geringem Teil aus tatsächlichem Vorlesen. Vielmehr kündigte der Autor gleich zu Beginn an, dass seine Lesung mehr von ihm und seinen Reiseerfahrungen als vom Inhalt seines Buches handeln wird.

Er erzählte unter anderem von seinem großen Traum, Schriftsteller zu werden, welchen er schon mit 13 Jahren hatte und nach dem Abitur, zunächst erfolglos, umzusetzen versuchte. Schließlich setzte er alles auf eine Karte, als er nach New York zog, um sich ausschließlich seiner Leidenschaft, dem Schreiben zu widmen. Die Übergänge zwischen Erzählungen aus seinem Leben, wie dieser, und den zwischendurch vorgelesenen Kapiteln waren beeindruckend schön und unauffällig, da Sendker aus sich heraus mit fast der gleichen Wortgewandtheit und Faszination spricht, wie er es in seinen Büchern tut. Da er neben seiner gelassenen Ausstrahlung auch noch Humor auf die Bühne bringt, verwundert es kaum, dass der Autor sich großer Beliebtheit beim Publikum erfreut und mit fast vier Millionen weltweit verkauften Büchern zu einem der erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren zählt.

Nach einer Fragerunde, in der noch einmal seine umfangreichen Kenntnisse über Burma und seine Sehnsucht nach dem Land zum Ausdruck kamen, endete der berührende Abend damit, dass Jan-Philipp Sendker noch Bücher signierte und sich persönlichen Fragen stellte.

(Artikel von Leon Korb, CJT-Gymnasium)

 

Frau Uhlig geht live

Mit dem Einschalten des Zuschauerlichts statt der geplanten „Theateratmosphäre“ und einem Geburtstagsgruß an ihre Freundin, gesungen vom Publikum und mit ihrem Handy aufgenommen, wurde Elena Uhligs Einstieg in ihre Lesung am 7.11.2019 unvergesslich. Die geborene Düsseldorferin erzählte von dem Abnehmwahn, der sie als Schauspielerin verfolgt und wie ihr Mann Herr Karl ihr nach der Geburt ihres Kindes einen Fitnesstrainer schenkte. Über den gesunden Umgang mit dem eigenen Körper schrieb sie ihr erstes Buch mit dem Titel „Mein Gewicht und Ich“. Danach veröffentlichte sie ein weiteres, diesmal über einen turbulenten Familienurlaub auf Mallorca mit dem einprägsamen Titel „Qualle vor Malle“. Am Donnerstagabend schließlich stellte Frau Uhlig ihr neustes Buch „Doch, das passt, ich hab´s ausgemessen! Eine Frau weiß, wenn sie recht hat“ vor. Dieses handelt von zahlreichen Umgestaltungen im vertrauten Heim, sowie vom Umzug aufs Land und den darauffolgenden in die Stadt, da sie „auf dem Land verloren geht“. Während Uhlig einige Kapitel aus ihrem neu erschienenen Buch vorlas, wie etwa „Frau Uhlig braucht Internet“ oder „Frau Uhlig verursacht Lagerkoller“, schob sie passende, amüsante Kommentare ein, durch die sie zahlreiche Lacher aus dem Publikum erntete. Trotz ihrer nach eigenen Angaben schlechten Zeichenkünste visualisierte sie auch beispielsweise ihre heimische Bettensituation oder die gigantische Anrichte, deren Lieferung komplizierter war als gedacht, anschaulich auf einer Flipchart. Elena Uhlig sprach während der gesamten Lesung direkt zum Publikum und erklärte mit viel Witz, dass ihr Hobby das Einrichten sei, oder dass sie und ihr Mann Herr Karl sich beim Nachnamen nennen, um den Respekt voreinander zu wahren. Authentische Aussagen wie diese machen sie zu einer sympathischen, eloquenten Powerfrau. Nach der Lesung nahm sich die Autorin viel Zeit, um mit den Besuchern der Lesung zu plaudern, Autogramme zu geben und Bilder zu schießen.

(Artikel von Paulina Niklaus, CJT-Gymnasium)

 

Rita Falk: „Guglhupfgeschwader“

Ein unterhaltsames Duo, bestehend aus der Autorin Rita Falk, die vor allem durch ihre Franz-Eberhofer-Reihe bekannt geworden ist und mittlerweile fast sieben Millionen Bücher verkauft hat, und Florian Wagner, Schauspieler und BR-Moderator, beglückte am 8. November 2019 im Rahmen der Laufer Literaturtage 600 begeisterte Rita Falk Fans.

Angefangen hatte die Lesung mit einer kurzen Begrüßung und einem Foto, welches die Presse von Falk und Wagner mit dem Publikum im Hintergrund schoss. Schon hier zeigten die beiden Gäste ihren Humor und sorgten für Lacher im Publikum mit Fragen wie „Wie soll ich gucken?“ und „Sollen wir den Saal wechseln?“.

Die Lacher zogen sich weiter durch das Programm, als die beiden erklärten, dass sie sich mittlerweile schon zehn Jahre kennen. Während dieser Zeit haben sich natürlich einige Anekdoten angesammelt, die berichtet wurden.

Auf die Vorstellung folgte eine Art Interview zwischen Falk und Wagner, bei dem viel über Falks Biographie erzählt wurde. Es ging von den Anfängen der ehemals arbeitslosen Autorin, über ihr Glück, dass sie durch vorausschauendes Arbeiten nicht mit Abgabeterminen zu kämpfen hat, bis zu der Frage, wie sie es schafft, jedes Jahr ein Buch zu veröffentlichen.

Anschließend wurde der Anfang von Falks neustem Krimi „Guglhupfgeschwader“, dem zehnten Fall für Kommissar Eberhofer, vorgelesen. Dies führte wiederholt zum Auflachen im Publikum.

Das Vorlesen schmeichelt dem Schreibstil des Buches sehr, weshalb es durchaus unterhaltsam war, Falk zuzuhören, auch wenn die Autorin nicht unbedingt eine herausragende Vorleserin ist und sich dies auch eingesteht. Im weiteren Verlauf des Abends entschuldigte sie sich für ihre Leseleistung und betonte, dass sie mittlerweile an die Veranstaltungen zusammen mit Christian Tramitz, dem Sprecher der Hörbücher, gewöhnt sei. Wer letzteren zusammen mit Florian Wagner und Rita Falk einmal zusammen erleben möchte, kann sich auf das nächste Jahr freuen. Dann ist nämlich eine Fortsetzung der Bühnentour mit dem Trio geplant.

Im Verlauf der Laufer Lesung erfuhren die Laufer Zuhörer auch etwas über die Veränderungen in Frontenhausen (dem „Niederkaltenkirchen“ aus Falks Eberhofer-Reihe), die mit der Bekanntheit der Ortschaft gekommen sind. Man denke hier nur an den „Eberhofer-Kreisel“ oder touristische Touren in die Metzgerei „Simmerl“. Interessant war auch zu sehen, dass Falk eine immer in Inspiration schwimmende Person ist. Mittlerweile stemmen sie und Florian Wagner schon ihre zweite Kunstausstellung, welche momentan in Regensburg zu finden ist. Betont wurde hierbei, dass die Kunst ein schöner Ausgleich zum Schreiben sei. Trotzdem hat Falk immer ein Notizbuch in ihrer Nähe, in dem sie ihre Inspirationen oder auch wahre Geschichten aus dem Berufsleben ihres Mannes, eines ehemaligen Polizisten, aufschreibt.

Gegen Ende wurde noch eine Kurzgeschichte aus dem kleinen Erzählband „Eberhofer, zerfix!“ vorgetragen. Auch dies kam sehr gut beim Publikum an.

Nachdem sich das Duo abschließend einigen neugierigen Fragen der Zuschauer gestellt hatte, nahm sich Falk noch Zeit zum Signieren der Bücher. Und an der langen Schlange erkannte man nochmals, welch große Reichweite und treue Fans die Autorin hat.

(Artikel von Lisa Kreutzmann, CJT-Cymnasium)

 

Aus „Bibis“ Biographie

Adele Neuhauser – Viele verbinden diesen Namen mit der erfolgreichen Bühnenschauspielerin, die auch in Männerrollen glänzte, oder der sympathischen, unkonventionellen „Tatort“ – Kommissarin Bibi Fellner. Ihn nun auf einem Buchcover zu sehen, weckte in vielen Fans und Besuchern der Laufer Literaturtage besonderes Interesse. So versammelten sich am 9.11.2019 ganze 600 Gäste, um der sympathischen aus Griechenland stammenden Wienerin bei der ausverkauften Lesung ihres Buches zuzuhören. „Ich war mein größter Feind“ – so heißt die Autobiographie, die nicht nur die Höhepunkte ihres Schauspielerlebens und ihre glückliche Kindheit in Griechenland, sondern auch ihre Selbstzweifel als junge Frau schildert. Anhand von insgesamt elf vorgelesenen Passagen erhielten die Zuhörer hierbei auch Einblicke in traurige Momente ihres späteren Lebens, wie den nah aufeinanderfolgenden Tod ihres Bruders und ihres Vaters, die sie sehr offen und authentisch schildert.

Begleitet wurde Adele Neuhauser von der Jazzband „Edi Nulz“. Neben dem Sohn der Schauspielerin, Julian Adam Pajsz, der an der Tenor- und Baritongitarre überzeugte, waren auch Siegmar Brecher an der Bassklarinette und Valentin Schuster am Schlagzeug zu hören.

Ehe die Autorin mit guter Laune und einem lauten „Hallo Lauf“ ins Scheinwerferlicht trat, begrüßte zuerst die Band das Publikum, was viele positive Reaktionen unter den Besuchern auslöste. Erzählerisch überzeugend, humorvoll und aufrichtig las die Schauspielerin im Anschluss aus ihrem Buch, wobei sie die Geschehnisse noch um einige, meist heitere Anekdoten ergänzte. Durch gut eingeplante Musikeinlagen, sowie eine dreißigminütige Verschnaufpause war das Publikum von einer strukturierten und lebhaften Lesung beeindruckt.

Nach zwei Stunden bildete sich eine große Schlange, denn kaum einer wollte sich eine kurze Begrüßung und ein Autogramm der Schauspielerin entgehen lassen.

(Artikel von Anika Singer, CJT-Gymnasium)

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