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Peter Stamm – Lesung am CJT-Gymnasium

Der Schweizer Autor Peter Stamm beantwortete viele Fragen nach seiner Lesung im Kellertheater des CJT-Gymnasiums

Der Schweizer Autor Peter Stamm beantwortete viele Fragen nach seiner Lesung im Kellertheater des CJT-Gymnasiums

„Ich setze mal drei Figürchen in einen Raum und schau dann, was passiert.“ So beschrieb der Autor Peter Stamm seinen eigenen Schreibstil in einer Lesung bei uns am CJT-Gymnasium am 9.11.2017.

Seit 2014 ist sein Roman „Agnes“ Teil des Lektüre-Kanons in Baden-Württemberg. Somit steht er in direkter Konkurrenz mit Klassikern wie „Faust“ oder „Effi Briest“, wenn es um die Auswahl der Klassenlektüre geht. Der Roman erzählt die Geschichte eines Schweizer Autors, der sich während eines beruflichen Aufenthalts in Chicago in die viel jüngere Physikstudentin Agnes verliebt und mit ihr ein gemeinsames Leben beginnt. Agnes fordert den Ich-Erzähler auf, ihre Beziehung wie ein Buch niederzuschreiben. Ab dem Zeitpunkt, an dem die fiktionale Geschichte die Wirklichkeit überholt, kommt es zu Problemen, welchen die beiden sich stellen müssen. Das geschickte Einbinden von Themen wie Nähe und Fremdheit, gekoppelt mit einem unglaublich treffenden Gespür für realistische Figuren machen diesen Liebesroman erst wirklich außergewöhnlich.

Als Einstieg las Peter Stamm uns Schülern der Q12 die ersten Seiten vor, damit wir uns ein Bild von seinem Bestseller machen konnten. Gespannt folgten wir seiner Erzählung. Das Interessante einer Buchlesung ist jedoch nicht nur das Buch selbst, sondern auch der Autor dahinter, mit welchem man so in Verbindung treten kann. Und so taten sich uns Schülern viele Fragen bezüglich des Alltags als Autor oder auch des Entstehungsprozesses von „Agnes“ auf.

Peter Stamm erwies sich uns gegenüber als äußerst wohlgesonnen und beantwortete unsere Fragen mit Freude. Er selbst schien überrascht über die Menge an Fragen. Auf die Frage einer Schülerin, ob er sich schon früh für das Schreiben interessiert habe, antwortete er: „Ich nehme mal an, alle großen Tennisspieler haben irgendwann mal jung angefangen […]. Beim Schreiben gibt es tausend Wege zum Schreiben. […] Ich habe schon immer gern geschrieben. Aber dass ich wirklich Romane schreiben will, das war, glaube ich, erst so mit 20, als ich das beschlossen habe. Es gibt auch Leute […], die gerade aus Schwierigkeiten mit der Sprache dann ihre Kunst daraus entwickeln. […] Ich kenne mindestens drei Fotografen, die Sehstörungen haben […] und vielleicht gerade darum sich für Bilder interessieren.“ Daraufhin fragte ein Schüler, welche Note Stamm denn im Deutschabitur erzielt habe. „Ich glaube, ich hatte eine gute Note in Deutsch. […] Nur auch um Ihnen das zu sagen. Es wird Sie nie mehr ein Mensch nach Ihren Abiturnoten fragen. […] Sie können auch schlecht sein in Deutsch und trotzdem Autor werden.“ Inmitten des Abiturstresses eine beruhigende Nachricht für die meisten von uns Schülern.

Es wurde viel gelacht und sich unterhalten. Die Doppelstunde war schnell vorüber, und wir wussten danach ohne Frage mehr über ihn als Person und das Autor-Dasein im Allgemeinen. Trotzdem hatten einige noch Fragen, die ihnen auf der Zunge lagen. Peter Stamms Art sowie die ersten Seiten seines Romans „Agnes“ haben offensichtlich begeistert, denn viele der Schüler – Mädchen wie auch Jungen – kauften sich im Anschluss sein Buch und ließen es sich von ihm persönlich signieren.

Moritz Schulze, Q 12 CJT-Gymnasium

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