Home

Martin Mosebach: Detaillierte Beschreibungen in ausgefeilter Sprache

Freitag, der 13. November 2015 – das Wochenfinale der Autorenlesungen am CJT beginnt. Die Schüler und Schülerinnen der Q11 sitzen bereits am Ende der ersten Pause im Kellertheater und warten auf den angekündigten Autor. Als Martin Mosebach den Raum betritt, wird schnell klar, dass man mit dem 1951 geborenen preisgekrönten Schriftsteller einen schon sehr erfahrenen Menschen vor sich stehen hat. Jemanden, von dem man bestimmt eine Menge lernen könnte, hätte man die Gelegenheit zu einem Gespräch mit ihm. Glücklicherweise werden wir genau das am Ende noch haben.

Doch zunächst hat unser Direktor Herr Freiman zum dritten Mal in dieser Woche die Ehre einer für ihn typischen kurzen Begrüßung. Was wirklich kurz heißt, zeigen nach ihm zwei Schülerinnen, die  für ein paar einleitende Worte nach vorne kommen und das Geschehen anscheinend nicht lang aufhalten wollen.

Dann wird das Wort an Herrn Mosebach übergeben, der neben dem nett gedeckten Tisch auf der Bühne steht, lässig mit einer Hand in der Hosentasche, und beeindruckenderweise die gesamte Lesung keine Anstalten macht, sich zu setzen. Er startet mit einem Kompliment über unsere außergewöhnliche Schule und schön gestaltete Aula. Mehr Zeit verliert er nicht. Weder mit Informationen über seine eigene Person, noch über den Inhalt seines Romans, aus dem er vorlesen wird. Eine kurze Beschreibung der Hauptfigur Ivana – und schon wird man etwas unsanft in die doch sehr anspruchsvolle Lektüre geworfen. Faszinierend detailliert beschreibt er die Szenerie, eine große Hochzeit in Bosnien. Nach einiger Zeit wird es aufgrund der sehr genauen Schilderung von Details anstrengend, aufmerksam zu folgen. Dann aber kommt die schockierende Wende und plötzlich sind alle wieder hellwach.

Es folgt die leider ebenso detaillierte Beschreibung, wie das Baby der Hauptfigur während der ausgelassenen Feier von einem Leiterwagen überfahren wird. Nun, da alle Münder vor lauter Schreck offen stehen, klappt Martin Mosebach das Buch zu. Die Fragerunde beginnt.

Jetzt kommt so richtig Leben in die Lesung. Es werden spannende und auch außergewöhnliche Fragen gestellt, worauf Herr Mosebach ebenso spannende und außergewöhnliche Antworten gibt. Ein wenig erfährt man doch noch von ihm. Er studierte Rechtswissenschaften, wodurch er sich mit Schönheit und Genauigkeit der deutschen Sprache auseinandersetzte – Voraussetzung für seine nuancierten und ausgefeilten Formulierungen. Dann wirft er ein völlig neues Licht auf den Beruf des Autors. Er setzt das Schreiben eines Buches mit Träumen gleich und beschreibt, wie jeder Autor, wie in der Musik, erst die richtige Tonlage finden müsse. Seine Werke verfasst er ausschließlich handschriftlich, denn kaum etwas sei schöner als ein weißes Blatt, das am Ende des Tages vollgeschrieben und schwarz sei. Nur der Moment, wenn er ein Buch nach vielen Selbstzweifeln und Widerständen schließlich doch beendet, übertreffe dies und zähle zu den schönsten Erlebnissen in seiner Karriere.

Insgesamt war die Lesung ihren Besuch auf jeden Fall wert. Man konnte eine neue Art von Lektüre kennen lernen, in der es weniger um die Geschichte als vielmehr um die Schönheit der Sprache geht. Die Macht von Wörtern hat Martin Mosebach mit seiner am Ende blutigen Szene eindrucksvoll gezeigt und beendet damit die Literaturwoche am CJT mit einem bleibenden Eindruck.

Sarah Pscherer (Q 11 des CJT-Gymnasiums)

ZURÜCK

Martin Mosebach: Detaillierte Beschreibungen in ausgefeilter Sprache

Freitag, der 13. November 2015 – das Wochenfinale der Autorenlesungen am CJT beginnt. Die Schüler und Schülerinnen der Q11 sitzen bereits am Ende der ersten Pause im Kellertheater und warten auf den angekündigten Autor. Als Martin Mosebach den Raum betritt, wird schnell klar, dass man mit dem 1951 geborenen preisgekrönten Schriftsteller einen schon sehr erfahrenen Menschen vor sich stehen hat. lesen

ZURÜCK
top